den affen töten

Förderpreis für Kamera und Regie des Bundesministeriums NRW Förderpreis für freie Videoarbeit 13. Video Film Tage Thüringen & Rheinland-Pfalz – 1. Award – Blicke aus dem Ruhrgebiet Publikumspreis Blicke aus dem Ruhrgebiet – Award Videofest Bochum – Kunstverein Köln Einzelausstellung: Britta Wandaogo – bilfou biga – den affen töten, 26.6. – 8.8.1999

Britta Wandaogo hat eine eigene sehr dichte dokumentarische Arbeitsweise gefunden. Schon in ihrem ersten Film “Den Affen töten“ lässt sie unterschiedliche „Junkies“ von ihrem Drogenalltag und ihren Drogenerfahrungen erzählen. Bildästhetik und Montage beeindrucken, der Respekt und die Sensibilität der Regisseurin zeugen von einem tiefen Verständnis für die Lebenssituation und den Drogenalltag der Protagonisten. Die Interviews und Gespräche geben den Leuten Zeit, doch jedes Bild und jede Äußerung treibt die Geschichte voran. Keine versteckte Moral, die Bilder meinen genau was sie zeigen, nicht mehr und nicht weniger. Das ermöglicht dem Zuschauer einen klaren Blick auf die (Zerstörungs-) kraft der Drogen und auf ein Milieu, das in der Regel in den Medien entweder reißerisch abgehandelt oder aber pädagogisch problematisiert wird. Britta Wandaogos Blick unterschiedet sich hiervon wohltuend. Kunstverein Köln

Britta Wandaogo verbindet mit ihrer Filmarbeit ein persönliches Anliegen: Sie will dem Zuschauer einen direkten, nicht durch moralische Vorgaben verstellten Blick auf das Alltagsleben Drogenabhängiger ermöglichen. Keine versteckte Moral, die Bilder meinen genau das was sie zeigen. (…) Britta Wandaogo sucht den direkten Kontakt ohne voyeuristischen Blick. Sie nimmt die Menschen ernst. Das Leben vor der Kamera ist nicht inszeniert, Liebe, Hoffnungslosigkeit und Zusammenbruch passieren. (…) Die Montage nutzt die Regisseurin in beeindruckender Weise, um Entwicklungen und Gefühle und lebensnotwendige Ritualisierungen zu verdichten, fast körperlich erfahrbar zu machen. Sie schafft einen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Für Dokumentarfilme längst keine Selbstverständlichkeit. Ihr intuitiver Umgang, die eigenwillige Videoästhetik und die Leichtigkeit ihrer Erzählweise hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck“. Auszug Laudatio Förderpreis für Kamera und Regie des Bundesministeriums NRW

Eine filmische Dokumentation ohne Distanz, ganz aus der Nähe, aber nie voyeuristisch: Die Würde bleibt bewahrt. Ein Film über „sogenannte“ Betroffene, der uns alle betrifft, weil uns allen Ähnliches passieren könnte. „Sag niemals nie!“ Das Wort „Authentizität“ erfährt durch diese Arbeit positive Bekräftigung, denn sie ist fernab jeder Sensationshascherei. Und über den Sinn des Wortes „Anteilnahme“ ist der Zuschauer aufgefordert nachzudenken. Jurybegründung Förderpreis für freie Videoarbeit

Unterwegs: Wie kaum jemandem gelingt es Britta Wandaogo, einfach anwesend zu sein bei den Junkies als sei sie eine von ihnen. Und das kann doch nicht sein, da die Kamera immer dabei ist als sei sie eingewachsen in die Haut. Solche Unmittelbarkeit ist atemberaubend, welch ein Arbeitsprozess im Schnitt und in der Ordnung des Materials. Pressetext Filmregisseurinnen NRW

Als ich begriffen habe, dass mein Bruder Dirk drogenabhängig ist, wusste ich nicht, was alles auf ihn und mich zukommen würde. Ich hatte gerade angefangen an der KHM zu studieren. Einen Monat zuvor habe ich meine Eltern zu einem Gespräch bei den Drops in Dortmund  zur Drogenberatung überredet. In dem Gespräch wurde klar, dass unsere Familie kaum fähig ist sich der Sucht von Dirk zu stellen.

Ein Satz der Beraterin habe ich bis heute in Erinnerung: “Eine Familie ist wie ein Mobile, wenn sich ein Teil bewegt, bewegen sich alle anderen Teile mit.“ Wir wurden zu einem Gegenstück dessen, was Sie versucht hat, uns als Familie mit auf den Weg zu geben.

An einem Wochenende Anfang der 90er – gab ich Dirk meine Kamera mit auf die Platte. Seine gefilmte Hi8 Kassette, die er mir später zurückgab – hat mein Denken und auch meine Haltung zum Leben und später auch zum Filmemachen sehr geprägt.

Es gibt diese Momente im Leben, an denen eine Vision oder auch eine Fragestellung sich für das gesamte LEBEN auftut. Das ist selten, doch immens wichtig, dass wir im jungendlichen Dasein dies wie auch immer erfahren oder erkennen – Das Leben stellt Fragen an uns selbst. Was machen wir damit?

So viel Zeit ist seitdem vergangen. Ich habe meine Texte nochmals hervorgekrammt. Damals habe ich den Film , wie ein Buch geschnitten, es war mein erster Film und ich habe viel dabei gelernt / /(shit sentence ). Aber so was es! Über mich selbst, Familie, Haltung, Verantwortung und auch wozu man nicht im Stande ist.

TOILETTEN IM PARKHAUS

Dirki: Ey, pass auf was wollt ich sagen, sieht hier nicht so´n Klo schön abgefuckt aus? Auch besetzt, Scheiße! Ich schwör, als ich das erste Mal hier auf dem Beuler eingelaufen bin, da waren hier zehn Leute oder so, da dachte ich echt, ich wäre im “Christine F. Film”!

Susie: Ach, jetzt ist gar nichts mehr los. Jetzt kommen auf jeden Junkie drei Bullen.

Olaf: Dafür waren aber früher oft genug die Bullen hier.

Dirki: Ja, das wär´s jetzt noch, dass die Bullen jetzt hier einlaufen. Ich riskier´ hier wieder meinen Arsch, wofür eigentlich.

Susie: Hier, jetzt mach ich mir einen weg. Du, was ist mit dem Weiss, was du mir versprochen hast?

Olaf: Ja, können wir gleich tauschen…

Susie: Wie tauschen? Du wolltest mir das schenken!

Dirki: Wartest du oben mal eben vor der Tür! Ich wollte mal eben mit dir quatschen.

Susie: Weißt du was der Abfall von Scheiße ist: Ein Junkie!

Dirki: Der Abfall von Scheiße!

Susie: Ist ein Junkie.

Dirki: Bezeichnest du dich selber als Junkie?

Susie: Häh?

Dirki: Was ist für dich Junkie? Ist das wenn du ballerst? Ist das für dich ne´ Verhaltensform, oder was ist das für dich?

Oder ist das halt das Bild, was Leute von dir haben? Was ist für dich Junk?

Susie: Ich bin Junkie, weil ich Drogen nehme, klar.

Dirki: Ja, ich sehe das teilweise ein bisschen anders, das ist für mich so ´ne Verhaltensform, dieser ganze Abzocke, der damit zusammenhängt,

Strich gehen und so. Das ist irgendwo Junkieverhalten, halt dafür alles zu tun. Die Droge ist halt das Wichtigste!

Susie: Und eine 100ter Tour hat mich 200 Mark gekostet.

Dirki: Eine 100ter Tour?

Susie: Ja, weil ich mir noch mal das Doppelte in die Birne knallen musste!

Dirki: Um das zu verarbeiten?

Susie: Um mir den nächsten Arsch wieder zu ziehen.

Dirki: Wie alt bist du jetzt?

Susie: Achtundzwanzig.

Dirki: Achtundzwanzig, und wann bist du auf den Strich gegangen? wann war das, wie alt warst du da?

Susie: Vor zwei Jahren.

Dirki: Wo? Dahinten auf den Babystrich?

Susie: Ja!

Dirki: Und was war das für ein Gefühl beim ersten Mal?

Susie: Beschissen, das hab ich auch heute noch nicht richtig…

Dirki: …verarbeitet. Kann ich mir gut vorstellen und auch Panik gehabt, ohne Ende?

Susie: Ja klar, jedes Mal. Und du musst sagen “du bist geil oder so, oder mir gefällt das” und dabei hättest du die Leute ankotzen können.

Und da frag ich dich, an was soll ich glauben?

Dirki: Ja, aber doch wohl nicht an unsere Gesellschaft!

Susie: Auf keinen Fall!

AUF DER WIESE VOR DEM HAUPTBAHNHOFTim: und weißt du, so irgendwie, war ´ne  coole Zeit so, aber dann bin ich halt voll abgekackt auf Nadel, voll extrem, da hab ich mir am Tag echt 3 – 4 Gramm Schore geballert und dann noch Ropies dabei reingetan. das war echt das härteste überhaupt und dann bin ich hinterher hier auf platte gekommen, dann hab ich angefangen zu vermitteln. bloß die kacke ist bei mir, ich tue ja immer vermitteln und so… Bloß die Kacke ist bei mir, ich brauch morgens wenigstens n` Fuffi, dass ich vom Affen runterkomme, dann fahr ich hier hin, dann fang ich an zu vermitteln, weil auf Affe kann ich nicht vermitteln, weisse auf’n Turkey, so. Dann ist das lang gut gegangen, von 14 bis 16, hab ich immer gedealt. Die wandelnde Connection haben sie mich genannt. Dann kamen Leute auch zu mir nach Hause, dann fing das an, „Ach hasse nicht Bock gegen Schore zu tauschen …“ Und 14 Tage vor meinem achtzehnten Geburtstag hab ich mir den ersten Pitch gemacht. Und da habe ich mich end hochgeschossen und mich auch total …, bin ich voll abgestürzt, …und dann wurde mir das zu heiß. dann bin ich hier auf Platte gekommen, dann habe ich den Vermittler raushängen lassen; immer Vier zu Eins ist der Kurs. Du bringst einem 4 Leute, die ein Halbes haben wollen und dann kriegst du ein Halbes. Und dann so hat ich noch sechs Halbe, steh auf der Platte, kommen die Bullen und filzen mich volles Rohr, und darauf bin ich dann sofort erstmal vierzehn Monate in Knast gegangen, ohne alles.  Voll den herben Affen geschoben und so. Dann so, bin ich aus der Kiste rausgekommen, du musst dir vorstellen, vierzehn Monate hab´ ich nur Hasch geraucht im Knast, ich war zwei Stunden in Dortmund und hab die Nadel wieder im Arm gehabt, nach vierzehn Monaten. Das ist hart oder nicht? Ich wollte dir erzählen warum ich überhaupt so abgestürzt bin, waren wir vorhin stehen geblieben, weil mein Vater so früh gestorben ist… Meine Mutter hat sich dann immer, wo ich noch da war, die war ja da bis ich 13, 14 war, aber in der Zeit hat sie sich immer so Alkoholiker mit nach Hause gebracht und hat sich von denen durchficken lassen, und das hat mich echt runtergebracht, richtig asoziale Typen, und ich habe das mitgekriegt, versteh’se. und das hat mir sehr weh getan, da konnte ich mein Leben einfach ´… ohne Drugs nicht mehr…, ich komm´ ohne Drogen gar nicht mehr klar. ich hab zwar bock aufzuhören. ich habe jetzt mit meiner Bewährungshelferin eingestielt nach hagen-Elsey, dass ich da für drei Wochen hin komm. Jeder hat Angst vor ´ner kalten Therapie, bloß ich nicht, ich bin pervers, ich schwör´s dir! Weißt du, ich brauch das, ich will dann wissen was ich meinem Körper angetan hab. ich habe schon orginal so, ich habe schon drei Mal kalt entzogen. Kannst du dir gar nicht vorstellen, ist schwer für dich? Ich bin auch ein Typ, der die Fresse nicht hält. Ich hab auch zu den Bullen gesagt: „Ja, ja, ihr fangt an… so. Aber wenn ich den Baum fällen wollte, den ihr fällen wolltet“, du weißt wie ich das jetzt meine, Ihr reißt nur die Blätter ab, aber wenn ich den Baum fällen will, sollte ich doch bei den Wurzeln anfangen.“ I

Tim: Herbe, nee? Denis: veröffentlicht das bloß nicht!   Tim lacht.

U-BAHN UNTERM HAUPTBAHNHOF

Dirk: ich glaub das nicht, so. entgiftet hab ich bis jetzt immer kalt, so, was heißt, wenn dann will ich ohne Drogen leben, verstehst du, also ganz ohne, was bringt mir das, wenn ich mir jeden Tag Polamidon oder Methadon abhole, oder was es da noch so gibt. das ist ja auch ne´ Droge, und da kriegst du ja auch …, da wirst du auch abhängig von. und noch schlimmer abhängig von als von Heroin.

AM AUTO, VORM BAHNHOF

Otto: Codein ist ja echt bitter, noch nach 10 Minuten. wieso was hast du denn heute schon an Codein geklinkt? Otto: heute erst 10 Remmis, heut morgen, dann wollte ich mir neue abholen, war der Arzt nicht da. Dirki: das ist ´n echtes kackspiel. Otto: ich sag mal, von Codein und Dingens, geht der Affe zwar weg, aber die seelische Abhängigkeit …, also nachts träume, dann sehe ich im Traum, wie ich die schore im Arm hab, alles riecht nach Shit, wie du schon sagst, obwohl gar kein Shit da ist…, also das Entgiften ist sehr schwer, so ich leb im Hotelzimmer, aber dann das geht wie im Kreis Drogen, Drogen oder so.

WIR GEHEN ZUR WIESE

Otto: ich hab mal versucht kalt zu entgiften, sogar mit zwang teilweise, alter, der Codeinaffe, nach 5 tagen, ich hab so ne´ schmerzen gehabt, ohne lüge jetzt. überleg mal ich nehme jetzt ein Jahr, kann´se sagen, jeden Tag 30 Remmis. und dann mit einmal von 30 auf null. Dirki: Das ist unmöglich. Otto: Ja, hab ich denen erklärt, weißt du was der blöde Arzt sagt, “ja sie kriegen trotzdem nichts, sie müssen den Affen aushalten”. Nach fünf Tagen, ich hab so´ne Pine gehabt, echt ohne Lüge… Dirki: Vor allem da wird man…, das belastet ja auch psychisch. Otto : Alter, ich hab die Tür eingetreten und bin raus, vor Angst und vor Schmerzen. Da kriegst du so´ne Kräfte … Nur weg. Und dann erstmal Codein geholt, um erstmal die Pine wegzukriegen. Dirki : Das war, wie ´ne Erlösung. Otto: ja, wie ´ne Erlösung.

Dirki : Ja, glaub ich.

Otto : Ich hab dem Arzt auch erklärt, Codein ist nicht, wie bei Schore nach drei Tagen vorbei!?

Dirki: Nach drei Tagen fängt es erst an.

Otto: Ey, ohne das mir das jetzt dumm erscheint, aber kann ich euch ruhig sagen, der Codeinaffe, da schreit man bei vor Schmerzen. Echt, ich war so kaputt drauf. Ich hatte´nen Schoreaffen und ´nen Ropiaffen noch zusätzlich gehabt. Das widerspricht sich in meinen Augen, ich kann nur sagen, eine seelische Abhängigkeit, allein schon von LSD und Amphetamin, ich war ja auch´ne Zeit voll auf Speed, LSD mit Speed geworfen, und Extasy nee Zeit. Ja und dann hier diese Polytoxikomanie, Trips, Codein, alles durcheinander. Und dann wollen die mir weiß machen in zwei Wochen ist man entgiftet, die seelische Abhängigkeit ist nach Jahren noch.

AUF DER WIESE MIT TIM / (TOT)

Tim: Ey, das war, wir mussten Bettruhe und ich hab wirklich Jacksens gekriegt, richtige Jacksens, ich hätte mit dem Kopf vor die Wand laufen können, von den Pillen und alles, und dann morgens raus Frühsport. Ne halbe Stunde joggen, ich auf Pillenturkey und Schoreturkey, ich hätte mich fast bekotzt. Und dann hinterher Hausputz, das hab ich mir dreißig Stunden angeguckt, dann habe ich den Sittich gemacht, weil es ging nicht mehr. Ich war so fertig mit der Welt, es ging einfach nicht mehr. Verstehst du was ich mein?

Otto: Ach, ich erzähle ihr gerade nur, dass es schwer ist von LSD Flashbacks runterzukommen und vom Codein. Ich bin mal auf nem Trip hängengeblieben, damals, auf den Micros und auf den Ying Yangs. Mal´n paar zu viele gepickt und bin jetzt noch drauf, nach ein paar Jahren ohne. Harald: Haha, ha!

Otto: Ja, ich brauch nur ein paar Züge paffen, sofort ein Kick vom LSD. Versteh ich selbst nicht, gibt es aber.

Tim: Alles was für´n Arsch oder so, und dann bin ich abgehauen. Und dann, in Kirchlinde war echt gut…

Hans: im Krankenhaus?

Tim: Ja, im Krankenhaus, aber da war das Problem, dass ich wusste, ich hatte 500 Mark zu Hause und ich hatte schon über fünfzig Stunden kein Stoff mehr, lieg hier im Bett und denk´, Alter warum liegst du hier, du hast fünfhundert Mark zu Hause! Du liegst hier, dir geht´s so dreckig, warum fährst du nicht nach Hause, holst dir die 500 DM und machst dich erstmal wieder frisch. Alter, und das war´s! Es ist bei mir nicht der Körper, der Kopf ist es. Ich bin einfach zu kaputt in der Birne, verstehst du was ich meine? Hans: Nee zu kaputt, ein bisschen, aber nicht ganz. Tim: Doch alter doch, ich bin das erste Mal mit zwölf in Kontakt mit Drogen gekommen, ich werde jetzt vierundzwanzig Alter, das ist fast mein halbes Leben, wo ich auf Droge bin!

ABENDS AUF DER WIESEDenis: Monate später hab ich dann gewusst, dass das mein erster Turkey war, Monate später. ich hab wirklich nur eine Nacht abgezappelt, und dann wurde das mit dem smaken, immer herber, immer herber. Ich war auch viereinhalb Jahre verlobt und genau in dieser Zeit als ich verlobt war, hat sich das auch entwickelt mit dem draufkommen, und so und daran ist auch meine Verlobung gescheitert. Ich hätte das Mädchen wahrscheinlich auch geheiratet, vielleicht. … ich hätte das Mädchen vielleicht auch geheiratet, das ist auch daran gescheitert! Und dann wie gesagt war ich total am smaken mit Affe schieben und gelegentlich auch Mal abgekickt. ja und dann damals, das eine Mädchen, was ich runterbringen wollte, ich mochte die echt gerne, war damals ´n echt hübsches Mädchen, ich habe die kennengelernt, wo sie noch nicht drauf war, das war echt schade drum. Das Mädchen war wie gesagt am ballern und ich wollte sie runterbringen, hab´s auch teilweise Mal geschafft, sie clean zu halten. Sie ist trotzdem wieder durchgestartet! ja, und dann wollt ich mal echt wissen wie´s ist. ja und dann, ein Druck, zwei Druck, und wie´s im Buche steht. Ich hab´s erst gemerkt als es zu spät war. Da war ich auf einmal nur noch am Ballern. Das ging plötzlich so schnell, das war zwar großer Zeitraum, ´ne große Zeitspanne, aber im Endeffekt ging das trotzdem so schnell. Ich hab mich echt gehörig umgeguckt. Auf einmal ich denk was ist denn hier los? Ey, nur noch am ballern, volles Pfund!  und was da alles drunter gelitten hat, das ist echt zu herbe …. das ist gar nicht so witzig alles…. Das läuft jetzt bei mir, hat das angefangen, seit 89zig. Was ich in der Zeit alles gesehen habe, mir ist schon so schlecht geworden. ich weiß nicht, früher oder später…, ich hab bis jetzt noch Keinen erlebt, der irgendwie gesmaked hat nur und das wirklich auch jahrelang so geblieben ist. in diesem Jahr sind so viele Leute von mir, von meinen engsten Freunden die vorher nur gelegentlich mal geraucht haben, und die über mich so hergezogen haben, was heißt hergezogen, also die mich so abgestempelt haben. Das geht so schnell, das ist so´n kleiner Sprung vom Blech zur Nadel. … ja, du sagst das so einfach! du sagst, für dich nicht! sei mir nicht böse, aber ich habe das schon so oft gehört… … und wenn, ich wünsch es dir nur das es so bleibt wie du sagst.

U-BAHN UNTERM BAHNHOFDirk: Es gibt Tage, sicherlich, da sag ich, jetzt Arschlecken auf Heroin und bleib zu Hause. Meine Mutter schließt mich dann zu Hause ein, das haben wir schon ein paar Mal durchexerziert, aber das geht dann vierzehn Tage gut und dann habe ich ihr die Bude ausgeräumt. Ich hab´s im Kopf gekriegt. Weißt du, ich brauchte Geld, ich hatte zu der Zeit gar nichts, weder Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe, gar nichts, und auf die Straße gehen klauen, das ist auch nicht so mein Ding, da hab ich gar nicht die Nerven für. Da hab ich gedacht, da gehst du Zuhause hin und räumst ihr die ganze Bude leer, hab ich ihr den Fernseher, ach, alles was Technik ist, hab ich ihr aufgebrochen und weggenommen. Ja, das war ´ne riesen Sauerei, da denk ich heute noch dran, aber das war mir in dem Augenblick so egal. auch wenn es die eigenen Eltern sind, das ist mir so egal gewesen. ich hab nur noch Heroin gedacht, Heroin gedacht…! Und heute kann ich wieder zu Hause wohnen, obwohl ich da alles leergeräumt hab und das nicht zum ersten Mal. Ach, ich habe schon hunderte Male, hab ich denen was geklaut. ich hab meinem alten das Konto leer geräumt mit seiner Scheckkarte, die hab ich ihm im Knast hab ich die ihm noch wieder mit rausgegeben, total herbe. wenn ich da manchmal drüber nachdenke was für ein Schwein ich war, aber das wird dir erst hinterher bewusst, wenn du dann wieder was drinne hast, dann kannst du wieder normal denken, dann wird dir bewusst, was für ein Arschloch du bist. So gemein, kann kein normaler Mensch sein, manchmal. Das tut mir auch irgendwo weh, manchmal weine ich dann auch, aber trotzdem krieg ich nicht den Dreh. Ich kann einfach nicht Nein sagen, obwohl ich das gerne möchte, aber im Moment bin ich einfach nicht in der Lage dazu. Vielleicht geht´s mir auch noch zu gut. so, ich hab auch noch nicht in der Gosse gelegen, obwohl ich auch schon obdachlos und alles war, aber das hat alles nichts gebracht. Manchmal denk ich, ich könnte mit dem Heroin alt werden, aber so – das ganze Drumherum, da werde ich nicht alt bei, das mach ich maximal noch zehn Jahre mit und dann ist Feierabend. Manchmal, wär´s echt das Beste, wenn ich aufgeben würde so, weißt du! Obwohl ich das für feige halte, wenn jemand sich das Leben nimmt, nicht dazu steht. Aber hätte ich das Alles vorausgeahnt, hätte ich bestimmt nicht geboren werden wollen. Dass sich das so entwickelt, da denkst du ja nicht dran, ich war ja vorher ein ganz normaler Junge, weißt du, wir waren ´ne Clique, da haben wir Hasch geraucht, alles was töfte war, ich hatte meine Freundin, zu Hause keine Probleme, ich hatte mein Mofa, alles war wunderbar und dann ich weiß nicht, ob das Langeweile war oder…? Die Ursache, warum ich heroinsüchtig bin, die weiß ich nicht…H

PARKPLATZ ÜBER DEN TOILETTEN

Manuela: und eigentlich, meine Eltern hatten eigentlich so immer darauf geachtet, trotz alldem, dass ich das nicht sehe, aber ich hab´s oft genug mitgekriegt. Meine Mutter hat dann auf Turkey, ich weiß also nicht wie die Geschichte da war zwischen meinem Vater und meiner Mutter da, jedenfalls hat sie auf Turkey versucht ihre Post zu überfallen mit einer Wasserpistole, lächerlich. Ja sie hat auch Kohle gekriegt und ist dann nach Kamen bis zur Hammer Strasse gekommen, da haben sie ´se dann geschnappt. Ich bin dann abends nach Hause gekommen, nee mittags war das schon, da kriegte ich zu hören, dass da oben die Post überfallen wurde mit einem orangenen VW Käfer, da wusste ich sofort, dass das meine Mama war, jedenfalls ist meine Ma dann nach Eickelborn gekommen und mein Papa hat dann sämtliche Frauen nach Hause geholt, hat die dann gevögelt bei uns im Wohnzimmer, also mit zwei Frauen war er da. Eine holte mich ins Wohnzimmer rein und ich musste mich in den Sessel setzen und gegenüber war ja die Couch, da musste ich mir mit angucken, wie sie meinem Vater ein geblasen hat, wie mein Vater ihr ein geleckt hat auf deutsch gesagt, wie er sie in den Arsch gefickt hat. Er wollte dass ich dabei bin, damit ich später weiß, was ich da bei einem Mann zu tun habe. Aber allerdings hat er mich … mit sechs Jahren, hat er mich missbraucht, nachdem er mich erwischt hat, wie ich mit ´nem Bekannten Doktor gespielt habe und er war fest davon überzeugt, dass der mir Watte unten rein gesteckt hat und ich hab ihm immer wieder gesagt, dass das nicht wahr ist. Und dann hat er gesagt ich soll mein Höschen ausziehen, ja, und dann ist er in mich eingegangen und er hat mir gedroht, wenn ich ein Wort davon sage, würde er mich umbringen, würde er mich kaputtschlagen. Und meine Mutter fing dann an zu saufen, brachte dann die Kerle mit nach Hause und ich habe dann mitgekriegt wie meine Mutter versucht hat, sich mit ´nem elektrischen Brotmesser oder Fleischmesser oder was das ist, kennst diese Dinger da? Versucht hat sich die Pulsadern aufzuschneiden… Meine Mutter lag dann im Ehebett mit so´m bepissten Typen da, …und die Arme verbunden, die ganze Küche war voll Blut und alles. Das habe ich noch saubergemacht und hab mich dann im Wohnzimmer hingelegt und habe gewartet, dass die wieder wach wurden. Und ich kam damit überhaupt nicht klar und ach, da kamen noch mehr Kerle, ach, ich weiß nicht wieviele Kerle das waren, ja und dann ging´s ihr immer dreckiger und immer dreckiger und irgendwann kriegten wir dann zu hören, dass meine Mama positiv ist. Irgendwann habe ich dann auch die Schule sausen lassen. Bin in so´ne Türkenkneipe mit dreizehn gegangen, bin da anschaffen gegangen und hab da mit den Kanaken rumgemacht. Hauptsache ich kriegte meine Kohle und irgendwie so´n bisschen Gefühl von Liebe. Ja und dann fing ich an zuzunehmen, da hab ich 150 Kilo gewogen und gegenüber von uns wohnte ein Junkie und irgendwie fühlte ich mich zu dem irgendwie hingezogen. Jedes Mal wenn ich mit dem zusammen war, war das für mich ein Gefühl, als wenn ich gerade nach Hause gekommen wäre, weil ich fühlte mich unter denn Junkies am Wohlsten, weil ich das ja nicht anders kannte. ja und durch den Norbert bin ich an die erste spritze gekommen, hier im Stadthaus. und am selben Tag, wo ich dann hier in Dortmund angekommen bin, hab ich dann den Tobias kennen gelernt mit noch so jemanden, ja und so haben wir uns dann heute verlobt. Verstehst du, ich liege oft abends im Bett und bin am Weinen. guck mal, auch durch die Anschafferei, ich möchte mit dem Tobias schlafen, klar wir haben schon so´n Quicky da auf Toilette gemacht, aber es ist halt nicht so wie im Bett. ich habe lange keinen richtigen Orgasmus gehabt, durch die Anschafferei und durch die Geschichte mit meinem Vater. ja und jetzt hoffe ich irgendwann, dass Tobias und ich wirklich mal die Möglichkeit haben, dass wir ´n Hotelzimmer, oder was weiß ich entweder dass wir probieren ´ne Wohnung oder ´n Zimmer zu kriegen. Tobias: Bitte weine nicht. Manuela: Ich schaff es nicht mehr, ich kann es nicht mehr. Und wenn es nur ein winziges Zimmer wäre, dass wäre uns egal. Hauptsache wir haben was für uns, für uns. Tobias: Ja und meine Eltern, ich war zwei Jahre im Knast, seit sieben Jahren bin ich jetzt drauf. Haben meine Eltern dann zu mir gesagt, wenn ich noch einmal Scheiße bau´, schmeißen sie mich raus. Ich mein, ich bin zwar wieder draufgekommen, die haben das allerdings nicht gemerkt. Aber dann wurde ich mit einem Achtel Gramm Hasch auf der Platte hier festgenommen und habe ein halbes Jahr Stadtverbot für Dortmund bekommen. Und dadurch haben die, … das haben meine Eltern gesehen das Schreiben, und dann hat mein Vater zu mir gesagt: „Du hast zwei Stunden Zeit deine Sachen zu packen“. Das hier, die beiden Tüten, das ist meine komplette Habe, die ich jetzt noch hab. Manuela: Weißt du und dann wirst du gleich behandelt, wenn sie dich dann mal erwischen, wenn du die Nadel im Arm hast oder dir gerade einen Druck machen willst, als wenn du die Pest hast oder wenn du vom Krankenwagen abgeholt wirst, wenn du jetzt durch Ropies abscheisst, oder so, …  als wenn du wirklich die Pest hast, so behandeln die dich. Und wir sind doch Menschen, wir sind kranke Menschen. Ich möchte mal einen Menschen sehen, der fragt mal wieso oder warum, kein Mensch. Es wird immer nur mit den Fingern auf uns gezeigt, die dreckigen Junkies, die stehlen, die huren, ach was weiß ich, was es da noch alles für ausdrücke gibt. und dass das uns aber weh tut, wir sind so schon unten, aber, dass man dann noch immer weiter auf uns drauftritt. Und dann wundern sie sich, dass wir kein Bock mehr haben oder uns in irgendeiner Ecke wegmachen.

TOILETTEN IM PARKHAUS

Susie: Früher taten mir die Leute immer leid, als ich gehört hab die sind gestorben, heute denk ich die haben´s geschafft! Dirki: ´Ne Aufnahme vom Basen wäre vielleicht auch nicht schlecht … hat einer was zu basen, will einer basen …? Susie: Früher taten mir die Leute immer leid … Olaf: Ker, ker, ker …!

Susie: Ey, fuck ey, wenn ich das jetzt wieder abbinde, bin ich wieder raus, kennst du das auch? Olaf: Dann musst du noch mal neu stechen! Jetzt machst du es aber dramatisch… Dirki: Guck mal zwei Türen weiter, da wird aber einer wieder wach! Du machst gleich´ne Pfütze, du machst gleich´n Springbrunnen,. Du wirst´n Springbrunnen machen. S

usie: Soll das dramatisch sein? Du?

Dirki: Ich weiß das nicht, ist mir doch egal, ich weiß das nicht, keine Ahnung. Olaf: Es soll möglichst realistisch sein. Susie: Ja dann werden die denken, das ist ein total kackendoofer Junkie. Dirki: Junkies müssen ja irgendwo doof sein, sonst würden sie ja nicht fixen. Naja ok, jeder hat sich auf irgendeine andere Art da reingeritten. Susie: Jede Sucht ist eine Sehnsucht, Dirki, das sagt dir jede Therapie.

Dirki: Was sagst du, jede Sucht ist eine Sehnsucht? Eine Sehnsucht nach was? Nach Glücksgefühlen oder wonach? Susie: Warte, mal! … weiß ich nicht.

Dirki: Aber du kannst doch keinen Spruch lassen, von dem du den Hintergrund nicht weißt. Susie: Ja, hat einer ein Tempo?

Dirki: Ey, das sieht ja pervers aus, was machst du denn da? Und wie fühlst du dich jetzt? gut, besser oder Affe nur weg? Susie: nur körperlich fit!

Dirki: Nur körperlich fit, wieso hattest du vorher ´n Affen? Olaf: Du machst mir aber den Eindruck, jetzt ein bisschen gedämpfter zu sein.

Dirki: Wir sitzen alle im Boot, in einem Boot, aber rudern, das tun immer dieselben, das ist die Scheiße, neh? Naja, was willst du machen… …  aber immer dieselben, das ist das Problem! Susie: Ich habe seit dem 12.9. absolut keinen Kontakt mehr zu meiner Familie… Dirki: Und warum nicht, haben sie dich rausgeschmissen? Susie: Nee, das kann ich dir genau sagen… Dirki: Warte, ich setz mich mal erstmal hin. Susie: Ich habe eigentlich ein gutes Elternhaus gehabt…

Dirki: Inwiefern, was findest du ist es  gutes Elternhaus? So Eltern, die sich immer um ihr Kind kümmern oder die es immer aus der Scheiße ziehen, oder…?

Olaf: Lass sie doch mal weitererzählen! Weshalb hast du denn ein gutes Elternhaus gehabt? Susie: Ich habe in dem Sinn ein gutes Elternhaus gehabt, weil …

Dirki: Lass uns ein bisschen relaxt hier sitzen und ein bisschen erzählen, vielleicht. Erzähl doch mal, womit hast du angefangen? Hast du Tabletten geschmissen oder über Alkohol, aber ich mein Alkohol hat ja eigentlich Jeder mal getrunken, aber was hast du, was war das erste was du genommen hast? Hast du erst Schore geraucht oder sofort geballert?

Susie: Sofort geballert!

Dirki: Sofort geballert?

Susie: Weil ich das einmal machen wollte und dann nie wieder!

Dirki: Dann nie wieder?!

Susie: Ich wollte ballern, weil ich Angst hatte, wenn ich jetzt rauch, ist das nicht der Effekt den ich will, verstehst du?

Dirki: Ja, aber man hat doch irgendwie eine Antipathie gegen Ballern, man hat doch da irgendwie Panik vor. Susie: Ich habe zwei Jahre …

Toilettenabschließer: So, kommt, auf geht´s.

Susie: Wir drehen´n Film.

Toilettenabschließer: Lass den Unfug!

Dirki: ich mach keinen Unfug!

Toilettenabschließer: Kommt, kommt, ich will abschließen.

Dirki: Das ist … Susie: Ja, machen wir, aber wir drehen wirklich,´nen Film.

Toilettenabschließer: Ja, das sehe ich, was ihr hier für einen Film dreht. Ich habe dir gesagt, du sollst die Pfoten lassen davon!

Dirki: Kein Problem Chef, ich mach das gute Stück aus.

WND – Copyright © wandaogo

de.wikipedia.org/wiki/Drogen-Glossar

Shore  – Heroin

Flunnis  – Flunitrazepam (Rohypnol®)

Ropies oder Ropse –  Rohypnol®-Tabletten

Benzos  –  Benzodiazepine, wie etwa Diazepam oder Lorazepam

Bubble – Kugelförmig in Plastik abgepackte Konsumeinheit

Basen –  Kokainbasen mit Ammoniak extrahieren und rauchen

Anschaffen gehen  –  Prostitution / Straßenstrich

Polytoxikomanie –  multipler Substanzgebrauch –  Mehrfachabhängigkeit